Mehr als Brot

Am 17. März 2020 gab es in der Kleinen Kirche eine Andacht von Pfarrer Georg Freuling.

Im mp3-Mitschnitt, den Sie in der Leiste oben starten können,
spielt Thomas Tesche zu Beginn eine Strophe des Liedes "In dir ist Freude",
danach spricht Pfarrer Freuling den folgenden Text,
am Schluss singen einige Zuhörer die Strophen des Liedes.

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.“

Die Hamsterkäufe der letzten Wochen haben es gezeigt: Mensch braucht ebenso Nudeln.
Und Klopapier, was mich überrascht, weil ich bisher beim Einkauf nie so konsequent vom Ende her gedacht habe.

Angesichts leerer Regale ist der Aufruf zur Besonnenheit wichtig und richtig: Wir leben in einem zivilisierten Land mit solider Infrastruktur. Und wenn jetzt alle vernünftig bleiben, bekommen alle auch noch in den nächsten Wochen Nudeln und Klopapier.

Außerdem, liebe Leute:
„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“
So steht es schon im Alten Testament,und Jesus sagt es auch.
Ich vermute, wir werden in den nächsten Wochen spüren, wie wahr diese Worte sind.

Schließlich leben wir nicht nur dadurch, dass unser Kühlschrank und die Regale im Supermarkt gefüllt sind.
Wir leben ebenso von den alltäglichen Kontakten. Wir brauchen die Menschen, denen wir jeden Tag begegnen – in der Nachbarschaft, bei der Arbeit oder im Freundeskreis.
Unsere Kinder brauchen den Kontakt zu Freundinnen und Freunden im Kindergarten, im Sportverein und in der Schule.
Und die Älteren sind froh und dankbar für jeden Kontakt, der ihr Leben bereichert.

„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein!“
Er braucht Beziehungen. Dazu gehört die Beziehung zum lebendigen Gott. Deshalb geht der Bibelvers auch weiter: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem Munde Gottes geht!“

Jetzt ist eingetreten, was viele von uns sich in der letzten Woche gar nicht vorstellen konnten: Als Kirchengemeinde können wir uns nicht mehr zu Gottesdiensten und Andachten treffen, um gemeinsam auf Gott zu hören, ihn zu loben und für diese Welt zu beten. Und weil wir der Überzeugung sind, dass das so wichtig ist wie das täglich Brot, möchten wir uns andere Wege suchen – unsere Homepage.

„Mehr als Brot“ – das brauchen wir!
Schauen Sie mal rein. Sie werden immer neue Beiträge finden – eine kurze Andacht, ein Gebet, vielleicht auch Musik. Vielleicht können wir wenigstens etwas von dem erhalten, was wir in unseren Gottesdiensten erleben.

Versuchen wir es:
Das folgende Gebet können Sie gerne mitbeten:

Gott, wir möchten jetzt nicht nur an uns selber denken.
Deshalb beten wir zuerst für unsere fernen Nächsten:
Für die Menschen, die unter dem Krieg in Syrien leiden
oder an den Grenzen Europas gestrandet sind.
Und wir bitten Dich,
dass sie nicht vergessen werden,
wenn nun alle nur noch vom Virus reden.

Wir bitten dich für die Völker dieser Welt,
dass mit den geschlossenen Grenzen nun nicht die Solidarität endet.

Wir bitten dich für Politikerinnen und Politiker,
für alle, die in diesen Tagen schwere Entscheidungen treffen.
Gib ihnen Entschlossen- und Besonnenheit.

Für all die Menschen, die durch ihren Beruf besonders gefordert sind,
bitten wir Dich:
Für Ärztinnen und Krankenpfleger,
für Forscherinnen und Rettungsdienste,
und auch für alle, die für Frieden und Sicherheit sorgen -
Polizei, Feuerwehr und andere Dienste.

Wir danken Dir für ihre Arbeit;
lege Du darauf Deinen Segen.

Wir bitten Dich auch für die Erkrankten – um Heilung,
für alle besonders Gefährdeten – um Bewahrung.

Und zuletzt für uns selbst – um deinen guten Geist,
den Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Vater unser im Himmel.
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich und die Kraft
und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.