Uta Rode: Leben in Quarantäne

Frage an die zukünftige Predigerin, die zur Zeit von ihrer Ausbildung abgeschnitten ist: „Magst Du etwas für den Quarantäne-blog schreiben?“

„Ja, ehm, mal schauen …“

Da es der Quarantäne-blog ist, soll es wohl etwas zur Krise sein. Obwohl zur Zeit fast zuviel über sie geredet, in alle Richtungen spekuliert und prognostiziert wird . Von Schuldzuweisungen und Verschwörungstheorien ganz zu schweigen.

Aber sie bestimmt unsere Gegenwart, deswegen denken wir über sie nach.

Viele Menschen fühlen sich in diesen Tagen abgeschnitten von ihrer Lebenswelt: kein Chor, keine tai-chi Gruppe, kein Spieleabend; kein Konzert, kein Sport, kein Kino.

Was vermissen Sie am meisten?

Besonders für Menschen, die alleine leben, sind das harte Zeiten. Rituale, die ihnen ermöglichen, Gemeinschaft zu erleben, brechen weg. Und Menschen, mit denen sie sich sonst treffen, ziehen sich zurück. Nein, es ist auch nicht leicht, bei den Kindern zu sein und wohlmöglich gleichzeitig im home-office zu arbeiten. Die Einen wie die Anderen haben nicht mehr die Freiheit, Gemeinschaft zu suchen oder sich eben zurückziehen, je nach Bedarf.

Da meine Kurse und Seminare ausfallen, lese ich mehr in der Bibel. Zu unserer Gegenwart ist mir die Exilserfahrung des Volkes Israel eingefallen. Nach der Zerstörung Jerusalems und ihres Tempels wurden sie nach nach Babylon verschleppt. Ja, ich weiß, viele Unterschiede, aber doch auch einige Ähnlichkeiten: kein Tempel mehr, kein Gottesdienst, abgeschnitten von täglichen Ritualen, die so wichtig sind wie das tägliche Brot.

„An den Flüssen Babylons saßen wir und weinten ...“ singt und betet der Psalmsänger in Psalm 137. Er drückt Klage und Sehnsucht des verbannten Volkes Israel aus. Dass diese Erfahrungen und Gefühle zeitlos sind, zeigt der Erfolg des songs von Boney M. in den späten 70-ern. Wer erinnert sich?

Was sollten sie nun tun?

Der Prophet Jeremia schreibt seinem Volk einen Brief, sozusagen einen Exil-blog. Er warnt sie vor falschen Hoffnungen, dass der ganze Spuk schnell vorbei sein könnte. Er empfiehlt ihnen, das Wohl in der Fremde zu suchen: „Legt euch Gärten an, denn ihr werdet noch lange genug dort bleiben, um zu essen, was darin wächst!“

Für manche von uns ist der Garten im Moment eine Wohltat – und der Baumarkt hat noch auf. Aber auch die Balkonkiste oder der Blumentopf auf der Fensterbank kann einen ähnlichen Zweck erfüllen.

Jeremia hat sich übrigens mit seiner Strategie auch Ärger eingehandelt. Es gab Heilsprediger, die eine baldige Heimkehr versprachen. Meist werden die eher angehört, als Menschen, die von uns erwarten, dass wir uns von Illusionen und lieb gewordenen Gewohnheiten verabschieden.

Aber der Verlauf der Geschichte gab Jeremia recht. Im Sprachgebrauch verbinden wir den Propheten mit Klageliedern und „Jeremiaden“. Ich schätze ihn für nüchterne Einschätzungen und kluge Anpassung an Realitäten. Und dafür, dass er Gottes Segen auch unter den schwierigen Bedingungen von Verbannung und Exil verkündet hat.

Damals wie heute: wir stehen unter dem Schutz und Segen unseres Gottes – auch in schwierigen Zeiten.

Es grüßt Sie herzlich,

Uta Rode