Liebe Freunde und UnterstützerInnen von BURUNDI KIDS,
 

die Corona-Pandemie hat auch Burundi erreicht. Mehr und mehr Fälle von positiv getesteten Personen mit Covid-19 werden bekannt. Ob Burundi – verglichen mit anderen Ländern – aktuell eher verschont zu bleiben scheint oder ob die Dunkelziffer lediglich höher ausfällt, ist momentan schwer zu beurteilen. Kritiker sagen, es gebe nicht genügend Tests und die seien ausschließlich in staatlicher Hand. Gesundheitsministerium und Medien bemühen sich um Aufklärung und appellieren an die Bevölkerung, Vorsichtsmaßnahmen einzuhalten. Gleichzeitig hat der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahlen im Mai begonnen – eine weitere Herausforderung für das Land.

In den vergangenen Wochen kam es erneut zu starken Regenfällen, die zu Erdrutschen führten. Der Fluss Rusizi und der Tanganyikasee sind übergetreten und haben Teile in Kajaga und Gatumba überschwemmt, in der Region zwischen Bujumbura und Grenze zur DR Kongo.

Abstand halten ist in den Heimen unmöglich. Wir unterstützen die Fondation Stamm jedoch dabei, zumindest einige Maßnahmen vor Ort zum Schutz der Kinder, Jugendlichen und der MitarbeiterInnen umzusetzen.

Wie die Corona-Pandemie das Leben in den Schulen und Heimen verändert hat und was die Überschwemmungen für unsere MitarbeiterInnen bedeuten, lesen Sie in diesem Newsletter.

Bleiben Sie gesund! Und unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

Ihr Team von BURUNDI KIDS

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Überschwemmungen in Gatumba

Mitte April kam es erneut zu starken Regenfällen. Der Fluss Rusizi und der Tanganyikasee sind dadurch übergetreten und haben weite Teile der Region zwischen Bujumbura und der Grenze zur DR Kongo überschwemmt. Laut eines Berichts von UN OCHA sind 30.000 Menschen betroffen und haben sich in trockene Gebiete geflüchtet. Viele leben entlang der geteerten Hauptstraße und sind auf Hilfslieferungen angewiesen. Darunter sind auch MitarbeiterInnen des Centre Médical Hippocrate und der Ecole Polyvalente Carolus Magnus.
Die Schule und das Krankenhaus in Kajaga sowie die Vorschule in Gatumba sind verschont geblieben. Auch dort erhalten betroffene Familien Unterschlupf. Andernorts können Tausende Kinder nicht weiterlernen, weil ihre Schulen unter Wasser stehen. An mehreren Stellen im Land kam es zudem zu Erdrutschen. Wichtige Zufahrtsstraßen sind abgesackt und machen einen Güterverkehr immer schwieriger.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Schreiner Emmanuel Ntamarerero erlebt mit seiner Familie die zweite Überschwemmung in diesem Jahr. Er arbeitet an der Schule Ecole Polyvalente Carolus Magnus (EPCM). Nach der ersten Katastrophe am Jahresanfang zog sich das Wasser relativ schnell wieder zurück. Die Familie säuberte alles von Grund auf, richtete sich wieder ein. Dieses Mal steht das Wasser noch höher. Emmanuel rettete, was er konnte: bei Bekannten in trockenen Vierteln Gatumbas lagerten sie einen Teil ihres Hab und Guts ein. Seine Familie und er sind bei Freunden untergekommen.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Stark betroffen ist auch Révérien Kibandaruzi, Mitarbeiter im Krankenhaus Centre Médical Hippocrate (CMH). Das Haus, in dem er wohnte, ist zusammengestürzt. „Glücklicherweise war ich in dem Moment bei der Arbeit“, sagt er. Aus den Trümmern rettete er einige Wellbleche, mit denen er sich einen neuen Unterstand notdürftig zusammenbaute, in dem er bis dato schläft.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Aus den Heimen

Sozialarbeiterin Josiane Nsabumukama arbeitet im Mutter-Kind-Heim im Viertel Mutakura in Bujumbura. Zur aktuellen Lage schreibt sie: „Im Mütterheim Nyubahiriza hat sich natürlich einiges geändert, damit wir uns vor Covid-19 bestmöglich schützen können. Die Bewohnerinnen sind gut aufgeklärt, wir sprechen viel darüber. Jeder, der ins Heim kommt, muss sich am Eingang die Hände waschen. Auch wenn es keine offizielle Ausgangsbeschränkung gibt, haben wir alle diejenigen, die nicht zur Schule müssen, aufgefordert, im Heim zu bleiben und nicht so viel draußen herumzulaufen. Besonders schwer fällt es aber, nicht den Gottesdienst besuchen zu dürfen.“

Die Krankenschwester des Heims habe genau im Blick, ob jemand krank wird, und messe auch vorsorglich Fieber. Ein Vorrat an Medikamenten, Kleidung und Lebensmitteln sei angelegt worden, so Josiane weiter, sollte die Regierung eine Ausgangssperre verhängen.“

Ähnliche Bilder im Centre Birashoboka, wie Augustin Nirere berichtet, Mitarbeiter im Straßenkinderheim in Kajaga. Auch hier gilt: Jeder Heimbewohner und die MitarbeiterInnen waschen sich beim Betreten der Einrichtung unter Aufsicht mit Seife die Hände. Die Osterferien haben alle Jungen im Heim verbringen müssen, Besuche im Heim und bei Freunden außerhalb waren – und sind – verboten. „Normalerweise treffen sie sich immer zum Lernen in der Nachbarschaft. Das muss nun leider anders stattfinden“, so der psychologische Betreuer weiter.

Das Personal des Heims ist sensibilisiert und achtet permanent auf Anzeichen, die Symptom für eine Erkrankung sein könnten, wie zum Beispiel Fieber. In unsicheren Fällen, begebe man sich sofort ins Krankenhaus der Fondation Stamm (Centre Médical Hippocrate), das in der Nachbarschaft liegt. Bei aller Sorge um das Corona-Virus dürfen andere Krankheiten wie Malaria nicht unterschätzt werden.

Neuzugänge im Heim, vermittelt beispielsweise durch Kooperationspartner und andere Vereine, werden nur nach erfolgtem Test auf Covid-19 akzeptiert, um dem Einschleppen der Infektion ins Heim vorzubeugen. Sollte es zu einer Quarantäneverordnung der Regierung kommen, seien sie auch hier im Heim vorbereitet. „Wir haben Vorräte an Lebensmitteln und auch an Kleidung angelegt“, versichert Augustin.

Neben den Sorgen um die Gesundheit mache man sich vor allem Gedanken darüber, wie es für das Heim weitergehe, sollte es zu wirtschaftlichen Engpässen kommen. „Die Kinder fragen uns, was mit ihnen passiert, wenn das Heim schließen muss“, so Augustin besorgt. So weit sei es jetzt noch nicht, antworte er dann im Versuch, zu beruhigen. Was im Moment zähle, seien gute Schulnoten, um das Schuljahr gut zu Ende zu bringen. Und natürlich, gesund zu bleiben.

Gedanken, die auch die Bewohnerinnen des Mütterheims beschäftigen. „Im Moment machen sie sich aber mehr Sorgen um die Krankheit Covid-19 und darüber, dass es in Burundi kaum Möglichkeiten gibt, sich behandeln zu lassen“, so Sozialarbeiterin Josiane.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Mund-Nase-Masken für Deutschland

Spontan ist die Idee entstanden, Schutzmasken nach Deutschland zu liefern. Das Team um Schneider Apolinaire Ndorere hatte begonnen, für das Personal der Fondation Stamm und den lokalen Markt zu produzieren. BewohnerInnen des Mütterheims arbeiten daran im Rahmen ihrer Ausbildung zur Schneiderin mit. Mit den Masken soll nun auch ein Beitrag geleistet werden, Gelder für die Projekte zu erwirtschaften und eventuellen Spendeneinbrüchen frühzeitig entgegen zu wirken. Auch die deutsche Botschaft in Bujumbura hat von den Masken „Made in Nyubahiriza“ bestellt. In Deutschland sind sie bald über unseren Kooperationspartner Cosyspeed erhältlich.
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Centre Médical Hippocrate

Wie schon bei der Prävention von Ebola in 2019 stehen die KollegInnen des Krankenhauses Centre Médical Hippocrate (CMH) mit an vorderster Front im Kampf gegen die Corona-Pandemie. „Wir wissen natürlich, dass das Virus nicht vor Burundi haltmacht“, schreibt Dr. Léandre Nimbona, Arzt am CMH. Deshalb habe man sich vorbereitet, soweit eben möglich: „Das Krankenhauspersonal wurde nochmals speziell sensibilisiert. Händewaschen mit Seife ist hier sowieso an der Tagesordnung, aber jetzt eben nochmal öfter. Dasselbe gilt für Desinfektion für das medizinische Personal, das mit PatientInnen arbeitet. Auch die Räume werden entsprechend behandelt.“

„Wichtig ist, jetzt unnötigen Kontakt zu vermeiden. Am Patienten geht das nicht, aber auf den Korridoren oder draußen“, so Dr. Léandre weiter. "Jeder, der ins Krankenhaus kommt, muss sich die Hände waschen. Wir haben eigens Personal abgestellt, das an den Waschvorrichtungen steht und den Wasserhahn öffnet.“  Auch die PatientInnen, die ins CMH kommen, werden entsprechend sensibilisiert, sich und andere zu schützen: „Wir geben den Leuten den Rat auch mit nach Hause, möglichst unnötige Aufenthalte in Menschenmassen zu vermeiden – auch wenn es noch keine offizielle Ausgangsbeschränkung gibt“, so der Arzt des CMH.

Medizinische Masken für das Personal habe man, allerdings keinen besonderen Schutz, wie z.B. FFP-2-Masken. Zusammen mit Kooperationspartnern im Bereich der medizinischen Versorgung bemüht sich Burundikids e.V., solche Schutzmasken für das Personal im CMH liefern zu können – mit entsprechender Exportgenehmigung der Bundesregierung.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Plakate an den Schulen

Zusätzlich zu den Vorrichtungen zum Händewaschen am Eingang des Schulgeländes wurden nun in allen Schulen der Fondation Stamm Plakate angebracht, die zu Corona und Covid-19 aufklären. Die Plakate sind auf Französisch und Kirundi und sollen die LehrerInnen dabei unterstützen, die Schülerschaft eingehend zu sensibilisieren. Dieselben Plakate sollen noch in den Kinderheimen angebracht werden.